I'm trying out a translation tool for my research. Unless you read German, ignore the following. If you interested in the source and content of this, however, let me know.
An die Schriftleitung
Der Ruf
Box 20, New York, N. Y.
Das Entgegenkommen der amerikanischen Regierung hat den deutsehen Kriegsgefangenen die Mittel in die
Hand gegeben und die sachlichen Voraussetzungen geschaffen, eine eigene, deutsehsprachige Zeitung heraus-
zugeben und damit ein Organ geschaffen fuer eine ganz beachtliche Anzahl in amerikanischen Lagen befindlicher, deutscher Soldaten; Maenner aus allen deutschen Gauen, aus allen Bevoelkerungsschichten und aus allen
Berufen. Dies Zentralzeitung waere somit in der gluecklichen Lage, bestes deutsches Gedankengut an den Einzelnen heranzutragen.
An dieser Zeitung schaffende Kameraden haben in anerkannenswerter Weise die freiwillige Verpflichtung auf
sich genommen, die den deutschen kriegsgefangenen in ihrer Gesamtheit zur Zerfuegung gestellten Mittel
zusammen mit dem eigenen Schaffen so anzuweden dass das Produkt diese Zusammenwirkens von Geist und
Technik deutsehe Sprache, deutsches Wort und deutsche Seele manifestiert. In der ersten Ausgabe ist nun
leider wenig von dem zu finden, was wir in unserer Zeitung zu finden erhofften; aber sicherlich erhebt die
erste Ausgabe noch nicht Ansprunch auf Endgueltigkeit.
Die beiderseitigen Meinunger stimmen gewiss in der Feststellung ueberein, dass an der absolut deutchen Haltung Zweifel ueberhaupt nicht entstehen darf. Wir sind ferner der Meinung, das wir in unserer Zentralzeitung das Thema Politik durchaus entbehren koennen; der Grund hierfuer liegt in der Tatsache, dass Diskussionen und Debatten ueber Politik ohnehin nur theoretischen Wert haben und daerueber hinaus eben sehr
wohl geeignet sein koennen, den Lagerfrieden ganz empfindlich zu stoeren. Die unweigerliche Reaktion auf die
Stoerung des Lagerfriedens bestuende unter Umstaenden in Massnahmen, die insofern unpopulaer sind, als sie
nicht den Einzelnen, sondern die Gesamtheit betreffen. Deshalb also moechten wir das Thema Politik ueberhaupt vermieden sehen.
Wie nun unsere Zeitung beschaffen sein soll, wird ohne weiteres klar, wenn wir auf die Begleitumstaende der
riegsgefangenschaft hinweisen, auf das ewige Hin und Her, das Auf und Ab in den Empfindungen. Wir
sind in einer Weise seelischen Belastungen ausgesetzt, wie sie in solch schroffer Form eben nur der Kriegsgefan-
gene kennt. Ueber Nacht ist ihm ploetzlich das Leben fremd geworden, es erscheint ihm ploetzlich wie eine
schlecht gelueftete Stube, in die nie ein frisches Lueftehen dringt und war doch gestern noch ein schoener
Carten mit vielen bluehenden Blumen. Heute spricht der Kriegsgefangene vom eintoenigen tristen und
freudlonsen Leben und kann durchaus nicht mehr verstehen, das es gestern noch schoen und lebenswart war.
Er moechteon heute, dass der Tag einmal sechsunddreissig Stunden haette, dass der Tag einmal des abends begaenne oder einmal zwei Naechte haette, er Moechte ja, verdammt noch mal, was moechte er denn nun eigentlich?
Wir alle sind solchen oder aehnlichen Stimmungen unterworfen, niemand von uns kann sich gaenzlich davon
freimachen, wenn auch die Reaktion bei jedem Einzelnen verschieden sein mag, denn ein jeder sieht die Dinge
mit anderen Augen an und was den einen erschuettert, das laesst den anderen voellig kalt.
In solchen kritischen Augenblichen ist es gut, eine Zeitung zu haben, deren Inhalt und Sprache geeignet ist,
die misslichen Umstaende vergessen zu lassen und deren Inhalt uns herausfuehrt aus dem Chaos der Gedanken.
Eine solche Zeitung sollte "der Ruf" sein, so wuenschen wir uns unsere Zeitung.
Der Schriftleitung detailliert auseinanderzuseten, was denn nun eigentlich in dieser Zeitung gewuenscht
wird, halten wir fuer nicht notwendig deshalb, weil ihr gewiss die besten Zeitungsfachleute angehoeren, denen
langjaehrige Berufserfahrung im Dienste der Allgemeinheit den Blick fuer das Besondere geschaerft hat. Wir
druecken uns gewiss klar und unmissverstaendlich aus, wenn wir wuensehen, dass unsere Zeitung Gemuet
und Seele enthalten muss. Zu uns kenn nur einer sprechen, der so ist wle wir: einfach und schlicht. Wir lieben
das Reine, das Schoene undempfindsame.
Es ist bestimmt nicht schwer, uns Seldaten zu begeistern. Man muss das nur am richtigen Ende fassen. Dann
werden wir auch immer hinter unsere Kameraden treten, die diese Zeitung sehaffen. Wir Soldaten koennen auch
dankbar sein.
Walter Mann
Verantwortlicher Schriftleiter
der Lagerzeitung der Querschnitt"
Dienstgradlager Opelika, Alabama
Stephan Strauss
Lagersprecher.